Hochzeitsdecke begeistert Jung-Designer

Quelle: Sandra Hüttner, FP 4.6.16

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Naila - Die Schlösserdecke, besser bekannt als das "Nailaer Tafeltuch", zählt als Kostbarkeit des Nailaer Museums im Schusterhof. Jetzt präsentierte Museumsleiter Wolfgang Brügel gemeinsam mit Vereinsmitglied Elfriede Schmidt ein weiteres Unikat der Weißstickerei erstmals der Öffentlichkeit. Es handelt sich dabei um eine sechs Quadratmeter große Hochzeitsdecke, eine Auftragsarbeit in den Maßen 1,75 mal 3,43 Meter, die 1912 nach Chemnitz ging. "Die Frauen haben bestimmt zwei bis drei Jahre für die Fertigung gebraucht", mutmaßt Elfriede Schmidt, die selbst als Kind bei ihrer Oma Mathilde Gesellensetter die Weißstickerei lernte. "Es wurde ja in Heimarbeit geschafft, da schauten die Kinder zu, und als Mädchen bekam man einen Stickrahmen geschenkt, spannte ein Stück Stoff ein und übte", erzählt Elfriede Schmidt, die zwar die Techniken mit Platt- und Wickelstich wie auch das Renneln und Stopfen der Ornamente noch beherrscht, aber aufgrund der nachlassenden Augenleistung nicht mehr ausübt. Die Hochzeitsdecke, die in den Bildern reihum von der Abholung der Braut über die Trauung bis hin zum Schlussbild mit dem Hochleben des Brautpaares einen Hochzeitszug zeigt, ist von der Strumpf-Fabrikanten-Firma Elbeo in Auftrag gegeben worden. "Die Enkeltochter hat die Hochzeitsdecke dem Museum verkauft", erzählt Elfriede Schmidt, und Museumsleiter Wolfgang Brügel spricht dabei von einem "Heimkehrer".

Die Hochzeitsdecke war übrigens damals in Gebrauch und ist auch gewaschen worden. "Wie man so schön sagte, war sie aufgedeckt", fügt Elfriede Schmidt an. Welche Textilfirma im Frankenwald die Decke damals fertigte, ist unbekannt, aber es wird gemutmaßt, dass es sich wie beim Nailaer Tafeltuch um die Firma von Textilfabrikant Oscar Frohmuth handelt. "Das lässt sich beispielsweise aus den gestopften Ornamenten schließen", erzählt Elfriede Schmidt und zeigt unter der Lupe die Rosen, die wahrlich denen des Tafeltuches gleichen. "Das war sicherlich der gleiche Musterzeichner." Bisher war die Hochzeitsdecke aufgerollt und verstaut. Aber als sich die Klasse der bekleidungstechnischen Assistenten der Staatlichen Bekleidungsfachschule der Berufsfachschule Naila zu einem Unterrichtsgang anmeldeten, sah Brügel die passende Möglichkeit, die Decke erstmals öffentlich auszubreiten. "Schließlich hieß die Bekleidungsfachschule früher mal Stickerei-Fachschule und hatte ihren Namen auch von der Weißstickerei", erklärt Brügel. Die jungen Damen und der eine Herr im ersten Jahr waren durchaus interessiert und zeigten sich begeistert über die filigrane Handarbeit, die sich heute keiner mehr vorstellen kann. Unter Lupen begutachteten sie die Techniken vom Platt- und Wickelstich über das Renneln und das Stopfen der Ornamente. Heute übernehmen Maschinen diese Arbeit, die früher Stunden, Tage, Monate und wie bei der Hochzeitsdecke Jahre erforderte. "Früher haben mehrere Frauen jeweils eine Technik umgesetzt." Aber zuerst war der Musterzeichner gefragt, der für den Entwurf zuständig war, dann folgte der Aufdruck und der Plattstich, um den Stoff die notwendige Festigkeit und Stabilität zu geben. "Erst dann ging es ans Fäden ziehen, dem das Ausnähen mit den verschiedenen Techniken folgte", erklärt Elfriede Schmidt und lässt unter der Lupe die gestopften Ornamente betrachten. "Das war der letzte Arbeitsschritt und die Technik ist ähnlich wie das Strümpfestopfen, nur viel feiner und filigraner." Wie die Hochzeitsdecke in Zukunft präsentiert werden soll, das gelte es ob der Größe noch zu klären.

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